Seelenklang

Regen, grauer Novemberregen. Schwarze Mäntel, hochgestellte Kragen und deprimierte Gesichter hetzen an mir vorbei. Sie zwängen sich noch in die völlig überfüllte Bahn, zur Abfahrt bereit. Wie Getriebene hasten sie über den Bahnsteig. Eine junge Frau kaum 30 Jahre alt, am Ohr ihr Smartphone und in den Händen unzählige Einkaufstüten rennt, als wäre es die letzte Bahn. Ihr Blick mürrisch und voller Eile. Unsanft schiebt sie mich zur Seite.

Und ich, ich stehe hier am Bahnsteig inmitten der grauen Wintermäntel, die von A nach B hetzen. Menschen von rechts, und Menschen von links wie ein riesiger Schwarm ziehen sie an mir vorbei. Doch, still! Leise! Sanfte, warme Gitarrenklänge dringen an mein Ohr. Sie haben sich ganz unbemerkt ihren Weg zu mir gebahnt. Woher mag die Musik wohl kommen? Mit suchendem Blick schaue ich den Bahnsteig entlang. Am Ende des Bahnsteigs erkenne ich die Umrisse eines Mannes, der lässig an der Wand lehnt. Blaue, ausgewaschene Jeans, den schwarzen Hut ins Gesicht gezogen steht er so da, tief versunken in sein Gitarrenspiel. Entschwunden in eine andere Welt aus sommerlichen Klängen voller Sehnsucht und Leidenschaft.

Begleitet von dieser wundervollen Melodie in meinem Ohr bahne ich mir meinen Weg. Die Zeit scheint still zu stehen und die schwarzen Silhouetten verblassen vor meinen Augen. Und dann stehe ich direkt vor ihm. Und als er aufschaut, lächelt er mich an und sagt mit tiefer, sanfter Stimme: “La música es la sonrisa del alma.” (Musik ist das Lächeln der Seele.) José García, so stellt er sich mir vor.

Warten

Da stand ich nun in diesem Gang. Die Zimmernummern neben den grau gestrichenen Türen, der graue Steinboden unter meinen Füßen und dieses unsägliche matte leicht vergilbte Weiß an den Wänden all das erinnerte mich an eine Zeit, die schon lange zurücklag. Wie lange war das wohl her, 40 Jahre oder mehr, dass ich das letzte Mal in solch einem Gang stand und wartete. Wartete, dass sich die Tür öffnete und der Unterricht begann. Lang ist es her, dass ich selbst die Schulbank drückte.

Ich war zu früh, viel zu früh. Und glauben sie mir, dass passiert mir ganz selten mal. Aber heute hatte ich einen Auftrag direkt um die Ecke. Eine sonderliche, gar unhöfliche Frau, leicht in die Jahre gekommen und besserwisserisch. Den ganzen Tag kontrollierte sie mein tun, ließ mich keine Minute aus den Augen. Ich sehnte den Feierabend herbei und packte mein Werkzeug flink ein. Jetzt war ich hier, der erste wie mir schien. Zumindest war weit und breit keine Seele zu sehen. Einzig eine Stimme hinter der Tür war zu vernehmen, sie dozierte und erklärte mal auf Deutsch, mal auf Russisch. Wohl der wöchentliche Russischkurs. Ich war müde und erschöpft von dem langen Tag und schon seit 6 Uhr auf den Beinen. Am Ende des Ganges entdeckte ich diese Stühle, 5 an der Zahl, nebeneinander aufgereiht und mit schwarzen Stahlrohren zusammengeschweißt. Sie störten ein wenig die Symmetrie. Alles in diesem Gang folgte einer mathematischen Ordnung. Die weißen, runden Lampen, die an messingfarbenen Kabeln von der Decke hingen, die Türen, die zu den einzelnen Kursräumen führten. Ja sogar die Heizkörper hatten sich der Magie der Mathematik unterworfen, so schien es mir. Nur die Stühle, sie vielen aus dem Rahmen. Ich nahm auf einem der Stühle Platz. Tannengrün waren sie. Oh, wie ich diesen Duft des Waldes manchmal in dieser Stadt vermisse. Meine Hände glitten langsam über die glatte Oberfläche des Stuhles. Ich spürte dieses leblose Plastik. Es irritierte mich. Diese Stühle, sie störten nicht nur die Symmetrie, nein, sie stießen mich auch ab. Sie waren ohne Leben.

Ich stand auf. Ich hielt es nicht aus, auf ihnen zu sitzen. Solange ich lebe, möchte ich die Lebendigkeit und den Duft des Holzes spüren, mit meinen Händen seine Struktur entdecken und hören, wie es knarrt, wenn es sich bewegt. Holz ist lebendig. Und ich auch.

Warum schreiben?

Gedanken versunken saß ich in der Ecke des Cafés und schaute den bunten Blättern auf der Straße zu, wie sie vom Winde hin und her gewirbelt wurden. Vor mir lag mein Notizbuch offen, ein weißes Blatt Papier. Als ein Schatten auf meinen Tisch viel. Vor mir tauchte ein alter Mann im schwarzen Mantel auf. Ungefragt nahm er Platz und sagte mit tiefer fester Stimme, er könne mir ein Jahr sorgenloses Schreiben finanzieren. Es gäbe nur eine Bedingung. Und zwar, dass ich ihm erzählte, warum ich schreiben wolle.

Ich hielt einen Moment inne. Und mein Herz fing laut an zu klopfen. Mein erster Gedanke war: Ich möchte die Welt retten, deshalb will ich schreiben. Sicher, ein wenig vermessen und von purem Idealismus getrieben. Aber irgendwie doch sehr sehr wahr.  Schließlich sagte ich zu ihm: „Ich möchte schreiben, um Menschen eine Portion Mut auf ihrem Lebensweg mitzugeben, damit sie ihre eigenen Träume niemals vergessen und ihrem Herzen folgen. In mir stecken tausende Gedanken. Und Worte sind stark. Sie haben die Kraft etwas zu verändern. Im Großen genauso wie im Kleinen. Das möchte ich nutzen. Kreativ und mutig zu gleich Geschichten erzählen, die sich nicht in Dystopien verlieren. Geschichten, die nah an der oft harten Realität des Alltags sind, an Schicksalen, die bewegen und dennoch Mut machen. Das will ich schon seit vielen Jahren.“

Und als ich den alten Mann ansah, während er meinen Worten zuhörte, war mir klar. Jetzt ist der Moment gekommen, an dem ich mich selbst endlich traue, meiner inneren Motivation zu folgen und meinem Können zu vertrauen. Und die Kraft meiner eigenen Worte zu nutzen.

7 Thesen zum eigenen Literaturprojekt

„Wenn ich las, was sie schrieb, kam ich dem Menschen, der sie war, so nahe. Es kam mir vor, als würde das Ureigene, das sich in ihr bewegte, dann erst wirklich sichtbar. Im täglichen Leben verschwand es in dem, was wir taten.“ Karl Ove Knausgård

Viele Menschen haben den Traum, irgendwann einmal ein eigenes Buch zu schreiben. Einen Roman, eine Novelle oder Kurzgeschichten. In meiner Literaturklasse haben wir ein paar Thesen für unser eigenes Schreiben mitbekommen, die ich gerne teilen möchte.

 

republica 2017 – Was bleibt hängen?

Wenn wir über Digitalisierung der Gesellschaft sprechen, dann meist über einen Wandel in der Arbeitswelt. Einen Wandel, der nicht erst jetzt beginnt, sondern schon längst begonnen hat und uns als Mensch in allen Lebensbereichen herausfordert. Wohlstand und wirtschaftliche Macht sind in nur wenigen Händen – oder im Zeitalter der Informationsgesellschaft wohl eher in nur wenigen Köpfen konzentriert. Ein gleichberechtigter Zugang zu digitaler Infrastruktur und vor allem zu Wissen und Bildung ist notwendig. Ein Ziel, das die Open Knowledge Foundation und einer ihrer Begründer Rufus Pollock immer wieder unterstreichen. Digitalisierung fordert uns auf, Bildung neu zu denken und über Werte und Prinzipien in diesem Kontext zu diskutieren.

Was für mich bleibt ist das Nachdenken über Neurokapitalismus: Wir können Hirnaktivitäten messen, verbessern und sogar verändern. Was bedeutet das für unsere gedankliche Selbstbestimmung? Was bedeutet Freiheit und Identität angesichts dessen für mich als Individuum? Und wie spaltet es möglicherweise die Gesellschaft, wenn soziale Ungleichheit schon heute den Zugang zur digitalen Welt bedingt und zukünftig ‚Brainhacking‘ mehr eingesetzt wird? Als Einstieg ins Thema ist der Vortrag von Miriam Meckel „Mein Kopf gehört nicht mehr mir – Brainhacking und Selbstoptimierung“ zu empfehlen.

Das Nachdenken über eine Start Up Illusion und überhaupt über Arbeitsbedingungen in der digitalen Branche. Nachdenken über die Konsequenzen von Digitalisierung in der Arbeit: Wir brauchen andere Fertigkeiten. Jeder in zunehmendem Maße in fast jeder Branche. Als Einblick in aktuelle Gedanken ist die Diskussion mit Frau Nahles „Bedingungsloses Grundeinkommen – (K)eine Antwort auf den digitalen Wandel“ auf jeden Fall sehenswert.

Ernüchterung über digitale Bildung, denn noch immer hängen wir in Diskussionen über Infrastruktur fest. Medienkompetenz im Steinzeitalter. Wenn Schulen ihre Zukunftspläne präsentieren und es dabei primär noch immer darum geht, ob Tablets eingesetzt werden können oder Schulen Wlan haben, dann wird klar, wie langsam sich Wandel in Institutionen  vollzieht. Bildung neu denken! Inhalte an den Lernenden und nicht den Lehrenden anpassen und den Lehrer als Coach verstehen, dass entspricht den Anforderungen, die die Digitalisierung an uns als Menschen stellt. Ansätze aus dem Storytelling und Gamification-Elemente können den Weg bereiten und werden von Lehrern durchaus genutzt und gewünscht. Denn es gibt Lehrer, die wissen, was in der Welt passiert. Das Projekt Bildung darf nicht an Infrastruktur-Fragen scheitern. Achja, Herr Dobrindt glänzte auf der republica durch Abwesenheit…. Daneben darf in dem Kontext die soziale Frage nicht vergessen werden. Nicht jeder hat die neueste Technik! Zu empfehlen sind zu dem Thema die Vorträge aus dem Track re:learn. (Leider noch keine Videos online)

Eine beeindruckende virtuelle Reise durch den Kölner Dom. Meine persönliche erste Erfahrung mit einer VR-Brille. Wer es noch nicht ausprobiert hat, machen! Und ein wunderbarer Vortrag aus der Praxis zum 360° Storytelling.

Gunter Duecks Vortrag ‚Flachsinn – über gute und schlechte Aufmerksamkeit‚ ist wie jedes Jahr kurzweilig, sehenswert und auf  den Punkt. Gute Unterhaltung eben.

Laut gedacht

Was kann ich ? Was will ich? Was treibt mich an?

Ich will die Welt retten, zumindest ein bisschen. Ich will frei sein, ein bisschen mehr. Ich will Dinge in Frage stellen und Menschen zum Nachdenken anregen. Ich will inspirieren und Menschen motivieren, an sich und ihre Ziele zu glauben.

Frei sein, querdenken, inspirieren.

Mutig bleiben. Kritisch denken. Kreativ lösen.

Abschied nehmen

Wenn Herzen schneller schlagen,
sich in Purzelbäumen verstolpernd durch das Leben gehen,
während andere Herzen drohen still zu stehen.
Neues Leben seinen Anfang sucht.
Altes Leben droht zu Ende zu gehen.
Neue Liebe, alte Liebe
Kinderlachen, am Krankenbett wachen.
Herzen schlagen, bleiben stehen
Zeit wird kommen, Leben vergehen.

Erinnerungen bleiben!

Lachendes und weinendes Herz vereint.
Getrennt – vereint – getrennt.
Herzen schlagen für dich, und für mich
Bleibt eines stehen…
Möchtest du wirklich schon gehen?

Herzen in Purzelbäumen,
einfach träumen.
Liebe, Kinderlachen – Oma, du machst Sachen!
Mein Herz schlägt weiter für dich und für mich.
Spürst du das nicht?

Jetzt erzähle ich dir von meinen glücklichen Kindertagen.
Oma, ich habe dir doch noch soviel zu sagen.

– In Erinnerung an meine geliebte Oma (verstorben am 31. August 2015) –

Arbeiten im Zeitalter der Sharing Economy

Internet-Unternehmen, wie Uber oder Airbnb haben uns gelehrt, dass Teilen von Wohnraum oder dem eigenen Auto so praktisch ist: geteilte Kosten, Refinanzierung der Miete. Teilen statt Besitzen – Auf den ersten Blick ein schöner Gedanke. Doch was bedeutet das für Arbeitnehmer, die für die zahlreichen Start-Ups arbeiten. Denn bei der Fürsorge für Arbeitnehmer hört’s offensichtlich auf.

Schöne neue Welt – Sharing Economy.

Eine Leseempfehlung: „The California Challenge – How (not) to regulate disruptive business models“ von der Friedrich Ebert Stiftung.

Rechtspopulismus. Lektüre-Tipps

In ganz Europa gewinnen rechtspopulistische Parteien an Einfluss. Spätestens seit der Flüchtlingskrise ist es auch in Deutschland wieder salonfähig geworden, rechte Parolen öffentlich zu äußern. Was vormals seinen Platz am Stammtisch gefunden hat, wird von Parteien aufgegriffen, in Sozialen Netzwerken gepostet und auf Demonstrationen lauthals rausgeschrien. Fremdenfeindlichkeit gab es immer, wird es immer geben. Eine Demokratie kann und sollte das aushalten können und damit umgehen. Populismus ist ein Teil des politischen Diskurses, doch das Ausmaß ist diskussionswürdig.

Einige spannende Beiträge zum Thema Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Deutschland: