Gesprächsführung: Die richtige Frage finden

Auf der Suche nach der passenden Frage: Egal, ob im Beratungsgespräch mit Kunden und Auftraggebern, in einem Mitarbeitergespräch oder im Coaching und als Moderatorin, in all den Situationen hilft es gute Fragen zu stellen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es spontan manchmal gar nicht so einfach ist, ad hoc die „perfekte“ Frage parat zu haben. Deshalb möchte ich eine Sammlung an Fragen auflisten, die mir in meiner letzten Weiterbildung begegnet sind und sich als hilfreich erwiesen haben.

Grundsätzlich lassen sich folgende Fragetypen unterschieden:

  • Entscheidungsfragen,
  • Rhetorische Fragen,
  • Suggestiv Fragen und
  • Offene Fragen

Vor allem offene Fragen eignen sich sehr gut in beschriebenen Situationen, da sie Orientierung schaffen und zum Nachdenken einladen. Auch Entscheidungsfragen haben ihre Berechtigung in diesem Kontext. Sie lassen nur ein ja oder nein zu und führen somit Entscheidungen herbei. Rhetorische und suggestive Fragen sind in dem Kontext deplaziert, da sie beeinflussen und eine Meinung versuchen zu platzieren.

Erwartungen klären

  • Was erwartest du von der Gruppe?
  • Was erwartest du von der Moderation?
  • Was willst du als Ergebnis mitnehmen?
  • Was bringst du mit? Was kannst du einbringen?
  • Was brauchst du?

Vertrauen schaffen

  • Welche Themen sind tabu?
  • Was beschäftigt dich am meisten?
  • Was würdest du gerne weglassen?
  • Worüber willst du nicht sprechen?
  • Was brauchst du, um dich wohl zu fühlen?

Ziele definieren

  • Wo willst du hin?
  • Was ist dein Fokus?
  • Was ist machbar?

Gespräch moderieren

  • Was ist dir wichtig? anstatt von Was ist deine Meinung?

 

Texten: Headlines und Einstieg

Eine Nachricht besteht aus vielen Elementen, unter anderem der Headline, der Subline und dem Teaser bzw. Einstieg. Diesen Elementen möchte ich mich in dem Artikel kurz widmen und die wichtigsten Aspekte für einen gelungen Einstieg nennen.

Was muss eine Überschrift überhaupt leisten?

In einer Vielzahl von Nachrichten, Pressetexten und Posts muss die Headline Aufmerksamkeit generieren. Die Aufmerksamkeitsspanne der Lesenden ist kurz!

  • Sie antwortet auf ein Nutzerbedürfnis.
  • Sie weckt die Neugier der Lesenden.
  • Sie beinhaltet relevante Keywords.
  • Sie stellt einen aktuellen Bezug her.

Eine Headline benennt das Thema und ordnet ein. Eine Subline gibt Schlussfolgerungen wieder. Eine Headline sollte mit 6-8 Wörtern, eine Subline mit 8-10 Wörtern auskommen. Statt redundanter Darstellung sollten neue Informationen genannt werden.

Was muss der Teaser/Einstieg leisten?

Der Teaser sollte kurz die wichtigsten Fragen (W-Fragen beantworten) und die Lesenden aktivieren. Klar, bildhaft, kurz.

Es gibt verschiedene gängige Varianten, wie der Einstieg gestaltet werden kann, deren Einsatz von der jeweiligen Zielgruppe und dem Kommunikationsziel abhängt:

  • Fakten: Der klassische Nachrichteneinstieg und auch für Pressemitteilungen oft verwandt. Es werden die wichtigsten Fragen beantwortet: Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum?
  • Szene: Ein szenischer Einstieg beschreibt eine zum Thema passende Szene, die nah an der Lebenswelt des Lesenden ist. Dies kann in Form einer These oder Schlagzeile passieren.
  • Personen & Schicksale: Diese Form des Einstiegs schafft durch Emotionen Nähe und weckt die Neugier. Der Text folgt einer gewissen Dramaturgie.
  • Zitate: Insbesondere Zitate von bekannten Persönlichkeiten oder Autoritäten, z.B. der Geschäftsleitung werden genutzt um Meinungen zu transportieren. Sie bieten die Möglichkeit, Positionen zu transportieren und trotzdem als Autor möglichst neutral zu sein.
  • Direkte Ansprache der Leserschaft: Vor allem Texte mit Service-Charakter verwenden diesen Einstieg, um Menschen verschiedene Dinge oder Themen zu erklären. Neben der direkten Ansprache werden oft Fragen verwandt.

Egal, wie der Einstieg gestaltet wird, hilft es Thema und Zielgruppe zu kennen. Eine überzeugende Schreibstrategie basiert immer auf guten Themen und einer soliden Content Strategie. Manchmal bietet es sich in der Pressearbeit auch für verschiedene Adressaten, verschiedene Texte zu entwickeln. So ist sicherlich jedem bewusst, dass eine Redaktion anders angesprochen werden sollte als die Zeitungsleser direkt und dass für Social Media wieder andere Kriterien relevant sein können. Hier gilt es immer Aufwand und Nutzen abzuschätzen und die eigenen Ressourcen zu kennen.

Zu Gast im Social Impact Lab: Wie gründe ich ein Sozial-Unternehmen?

Zu Besuch im Social Impact Lab in Leipzig: Nachdem ich selbst für ein Sozialunternehmen gearbeitet habe, war ich neugierig andere Menschen kennenzulernen, die gerade im Inbegriff sind, ein Unternehmen zu gründen. Und gleichzeitig ein paar allgemeine Dinge darüber zu lernen, wie so eine Gründung funktionieren könnte. Man weiß ja nie…

„Das Seminar bietet einen Überblick zu sozialunternehmerischen Handlungsansätzen, Strategien und Finanzierungsmodellen. Hintergründe zur Definition von Social Entrepreneurship und Social Business.“ So stand es auf der Webseite. Konkret drehte es sich an diesem Tag um die Fragen:

  • Welche Rechtsform wähle ich? 
  • Wie überzeuge ich Unterstützer und gewinne Partner? 
  • Wie kann mein Finanzkonzept aussehen?

Ich habe den Tag und das Wissen für mich grafisch aufbereitet.

 

Über den Tellerrand: Norwegische Start-Up Szene

Nachdem ich die Natur in Norwegen erkundet hatte, war es für mich an der Zeit mal zu schauen, wie ticken denn die Norweger, was bewegt sie und welche Business Lösungen entwickeln sie gerade. Einen wunderbaren Einblick lieferte mir der StartUp Day in Oslo unter dem Motto „Meet the Nordich Front Runners“. Hier hatte ich die Chance einen Einblick ins nordischen Denken zu bekommen. Ganz oben steht bei jeder Lösung der Aspekt der Nachhaltigkeit und der Wunsch die Natur des Landes und die Ressourcen bestmöglich zu nutzen. Natürlich immer unter dem Aspekt von skandinavischer Ästhetik und einem hohen Design-Anspruch.

Einige vorgestellte Ideen kamen mir bereits aus der Berliner Start Up Szene bekannt vor, alter Wein in neuen Schläuchen. Aber was in einer Großstadt wie Berlin funktioniert, muss in Norwegen nicht eins zu eins genauso funktionieren. Denn: Das Land ist riesig, die Wege und Distanzen enorm. Die Menschen jedoch offen für Innovationen und mit Open Data und Open Government weitaus vertrauter als wir Deutschen. Da ich zu dem Zeitpunkt viel mit Sketch Notes experimentiert habe, möchte ich meine Zusammenfassung des Tages in Form einer Visualisierung teilen.

Vertragsarbeiter in der DDR: Interview mit Osmani Ventura

Wie war das Leben in den 1980er Jahren in der DDR? Dieser Frage gingen Helena und ich im Rahmen eines Videoprojekts nach. Zeitzeugen zu finden, die von ihren Erfahrungen und Erlebnissen in der DDR erzählen und das vor laufender Kamera, war eine echte Herausforderung. Wir haben es geschafft. Osmani Ventura kam 1988 als Vertragsarbeiter aus Kuba nach Frankfurt/Oder und erlebte die letzten Jahre der DDR.

Seit den 1960er Jahren warb nicht mehr nur die BRD, sondern auch die DDR Arbeitskräfte im Ausland an. Zu den ersten Vertragspartner zählten Polen und Ungarn. 1978 schloss die DDR-Regierung schließlich mit Kuba ein Anwerbeabkommen ab, dass Rechte und Pflichten sowie Einzelheiten zu Verlauf und Organisation der Beschäftigten wie beispielsweise die Unterbringung regelte. Insgesamt rund 30.000 kubanische Männer und Frauen machten sich auf den Weg in die DDR. Einer davon war Osmani Ventura. In unserem Interview gibt Osmani Ventura einen persönlichen Einblick in das Alltagsleben der Arbeiter und erzählt, was der Mauerfall für ihn bedeutete.

Ob unser Video nun tatsächlich von der Gebrüder Beetz Filmproduktion Berlin GmbH & Co. KG für ihr Projekt Farewell Comrades genutzt wird, bleibt abzuwarten. Aber schön wär’s…

Die Cultural Theory von Thompson: Ein universelles Modell für Gesellschaftsanalysen?

Gesellschaftspolitische Diskussionen wie ethisch-moralisch motivierte
Debatten weisen vielfältige Ambivalenzen auf und scheitern oft an unlösbaren
Wertkonflikten. Denk- und Verhaltensweisen von Mitgliedern einer bestimmten Kultur können dabei nicht so einfach durch Angehörige einer anderen bewertet werden. Kulturen und Kulturtheorien bilden eine Basis für die Erklärung von Konflikten sowie paradoxe Phänomene und Verhaltensweisen.

Die im deutschsprachigen Raum wenig verbreitete Cultural Theory von Thompson, Ellis und Wildavsky stellt ein „[u]seful tool for understanding political movements and throwing lights on human rights“ dar. Der Ausgangspunkt für die Entwicklung der Cultural Theory war die Frage danach, „welche Strategien […] Menschen an[wenden], um das Ausmaß an Solidarität, an Kooperation und Stabilität zu sichern, das für den Bestand von Gesellschaften unerlässlich ist“. Thompson, Ellis und Wildavsky begeben sich auf die Suche nach gesellschaftlichen Mustern und Strukturen, die in allen Gesellschaftsformen wiederzufinden sind, und geben eine Antwort darauf, wie solche Muster menschliches Verhalten bedingen?

Die Cultural Theory bildet eine Grundlage für die Analyse von Organisationen und Gemeinschaften. Mittlerweile hat sie sich aus dem rein akademischen Raum gelöst und findet praktische Anwendung im Bereich der Zusammenarbeit von Menschen sowie der Paradigmen- und Diskursanalyse bei Themen wie Sicherheitspolitik, Risikobewertung oder der Fällung von Entscheidungen.

Abgesehen von Kulturanalysen auf nationale oder ethnische Unterschiede zielend, bietet die Cultural Theory eine theoretische Basis für die Untersuchung öffentlicher Ordnungen, politischer Stile und Diskurse sowie Kulturen. Im Fokus der Cultural Theory steht die Erklärung kulturell determinierte  Handlungsmuster, wobei Thompson, Ellis und Wildavsky einen sehr weit gefassten Kulturbegriff verwenden und sich nicht auf nationale Kulturen beziehen, wie in vielen wissenschaftlichen Arbeiten, die in der interkulturellen Kommunikation zitiert werden. Thompson und Douglas liefern mit ihren Konzepten unter anderem auch einen wichtigen Beitrag für die kulturalistische Politikwissenschaften, die Kultur nicht mehr als Erklärungsvariable versteht, sondern als Kontext, in dem sich gesellschaftliches Leben abspielt. Die Universalität der Cultural Theory belegt Thompson in seinem Buch Organising and Disorganising. Darin zeigt er auf, wie Klassiker der Sozialwissenschaften von Durkheim über Weber bis hinzu Rousseau im Schema der Cultural Theory abgebildet werden können.

Cultural Theory ist „a general theory of social science, more properly perhaps, a
classification that provides us with a theory of social science theories“.

Eine umfassende Diskussion zur Cultural Theory (pdf)

Humor in der deutschen Unternehmenskultur

„In every job that must be done, there is an element of fun.“
Mary Poppins

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ ist eine weit verbreitete Redewendung,
wenn es um die Vereinbarkeit von Arbeit und Spaß im Berufsalltag der
Deutschen geht. Die gesellschaftliche Meinung zum Thema Humor und Arbeit
ist eher negativ besetzt. Obwohl zahlreiche Forschungsergebnisse aus dem
therapeutischen Umfeld bereits positive Wirkungen von Lachen nachgewiesen haben, scheinen Humor und Arbeit in der heutigen Arbeitswelt immer noch nicht vereinbar. Wer am Arbeitsplatz lacht, wird irritiert angeschaut und muss sich dem Vorwurf stellen, er sei nicht ausgelastet oder gar faul. Arbeit muss nach Anstrengung aussehen. So ist die Unvereinbarkeit von spielerischer Lockerheit und ernsthafter Leistung im deutschen Arbeitsethos tief verankert.

In den letzten Jahren erfuhr das Thema Humor in der Arbeitswelt einen
Bedeutungszuwachs. Wir leben heute in einer Welt, in der Leistung zählt und
angesichts von unzähligen Sparmaßnahmen, der Konkurrenzdruck weiter
wächst. Physische und psychische Belastungen machen die Menschen krank,
stressbedingte Krankheiten nehmen zu. Somit wächst auch das Interesse daran, Kenntnisse über Humorwirkung, die bereits im therapeutischen Umfeld
gewonnen worden, auf die Wirtschaft zu übertragen. Humor und Lachen
könnten folglich ein Ventil sein, um übermäßigen Stress und Druck abzubauen.
Humor im Arbeitsleben hilft nach Ansicht des Humorexperten Michael Titze,
Konflikte zu lösen und Stresshormone abzubauen. „Im Lachen werden positive
zwischenmenschliche Signale gesetzt, die Teamgeist, Kreativität und Motivation im Betrieb fördern.“

Der Stellenwert von Humor hat deutlich zugenommen, da auch Querdenkertum und Innovation hohes Ansehen genießen. Jedoch sucht man Humor in der Unternehmens- und Managementkultur oftmals noch vergebens. Im Management fürchtet man sich vor dem Verlust der Glaubwürdigkeit und des seriösen Images, obwohl gemeinsames miteinander Lachen nicht nur Identität stiftet, sondern Humor auch kommunikative Herausforderungen relativiert. Im Berufsleben geht es darum, aus den Erfahrungen, was Humor und Komik im Alltag bewirken kann Konsequenzen zu ziehen und dem Lachen Raum und Möglichkeiten zu geben, wo es von Nutzen für eine Organisation sein kann.

Wäre der satirische Blick bei Entscheidungen im Wirtschaftsleben nicht von
Vorteil bei der Meinungsfindung? Hilft die geistreiche Provokation nicht bei
Betriebsblindheit? Wesentliches Ziel der Seminararbeit ist es, den Einfluss von
Humor auf die Kommunikation in Unternehmen darzulegen und dabei die Rolle
eines modernen Hofnarren zu untersuchen. Sei es der Narr am Hofe der Könige und Fürst, oder der politische Satiriker, jede Epoche und jede Gesellschaft kennt Formen des Narrentums, die auf Missstände und verkrustete Strukturen aufmerksam machen und scherzhafte bis bissige Kritik am System üben. Doch welches Potential birgt der Einsatz eines modernen Hofnarren in Organisationen und Unternehmen tatsächlich?

Im Kontext der Bedeutung, die Humor innerhalb der deutschen Gesellschaft im
21. Jahrhundert insbesondere in der Arbeitswelt hat, sollen verschiedene
Ansätze diskutiert werden, wie eine Humorkultur am Beispiel der Figur des
Hofnarren in Unternehmen etabliert werden kann. In einem ersten Schritt gilt es
zunächst zu untersuchen, welche Erfolge die Figur in ihrer historischen Wirkung tatsächlich erzielte. Um eine Antwort gleich vorwegzunehmen, in Bezug auf weit reichenden strategischen Einfluss blieben die Erfolge des Hofnarren unbefriedigend. Trotz des geringen Einflussbereiches wird in der Literatur und Praxis die Rückkehr der Figur des Hofnarren diskutiert, denn es bestehen zahlreiche Analogien zwischen dem historischen Hof und dem „modernen“ , dem Wirtschaftsunternehmen. Grundsätzlich stehen sich zwei Konzepte gegenüber. Einerseits die Institutionalisierung des Hofnarren in Unternehmen, vergleichbar mit der Stelle eines Gleichstellungsbeauftragten, wie sie unter anderem von Tissot in seiner Dissertation „Gewinnbringendes Lachen? – Humor als Humanfaktor zur Erreichung von Unternehmenszielen“ eingeführt wird. Andererseits die Idee,  jeder müsse sein eigener Narr sein, wie sie von Wüthrich, Winter und Philipp in ihrem Buch „Die Rückkehr des Hofnarren – Einladung zur Reflexion nicht nur für Manager“ entworfen wird. Beide Konzepte sollen mit Blick auf ihre Akzeptanz und Erfolgsaussichten kritisch diskutiert werden. Dabei gilt es zu beachten, dass Humor sich grundsätzlich nicht verordnen lässt, sondern lediglich gefördert werden kann und selbst wachsen muss.

Humor in Unternehmen stößt auf die gleichen Grenzen, wie Humor im Alltag.
Lachen ist milieuspezifisch und unterliegt unter anderem dem Einfluss von
Alter, Kultur und Geschlecht. Das heißt, Humor funktioniert in einem
Unternehmen nur dann ohne größere Missverständnisse, wenn dessen
Mitarbeiter dem gleichen Kulturkreis entstammen. Arbeiten Menschen
verschiedener Kulturen miteinander, kann Humor folglich seine Wirkung
verfehlen.

Untersuchungen der Auswirkung von Humor auf das Erreichen von
Unternehmenserfolgen stehen vor einer weiteren Herausforderung. Humor
fördert ein positives Betriebsklima und eine optimistische Einstellung zur
Arbeit, jedoch lässt sich ein tatsächlicher Einfluss auf den ökonomischen Erfolg eines Unternehmens schwer nachweisen. Ein empirischer Nachweis gestaltet sich als schwierig und kann wenn überhaupt, in erster Linie qualitativ erfolgen. Wirtschaftler messen ihre Erfolge jedoch überwiegend quantitativ. Somit erweist es sich als problematisch, Zahlenmenschen vom positiven Effekt einer Humorkultur im Unternehmen zu überzeugen.

Das Thema von Arbeit und Humor ist aufgrund dieser Herausforderungen bis
heute nur wenig erforscht. Zum vollständigen Text der Seminararbeit Humor in der Unternehmenskultur (pdf)

Catalunya is not Spain: Auf den Spuren einer katalanischen Identität

„Wie bei allen historisch gewachsenen politischen Gemeinschaften besteht das Hauptmerkmal der kollektiven Identität in der Sprache; nicht umsonst bezeichnete der ehemalige Regierungschef Pasqual Maragall sie als ‚DNA der Katalanen‘.“ Im Zuge der spanischen Verfassung 1978 erhielt Katalonien 1979 den Status einer Comunidad Autónoma. Spanische Verfassung und Autonomiestatut garantieren eine Vielzahl von Rechten und bestärken das Bewusstsein einer kollektiven katalanischen Identität. Die katalanische Sprache hat sich den öffentlichen Raum zurückerobert, nachdem sie in der Zeit der Diktatur Francos ins Private zurückgedrängt worden war. Katalanisch ist zu einem wichtigen Definitionsmerkmal zur Wiedererlangung einer kollektiven katalanischen Identität geworden. Mit ungefähr 9 Millionen Sprechern zählt Katalanisch zu einer der wichtigsten Regionalsprachen in der Europäischen Union. Allein Katalonien zählt 6 Millionen Sprecher. Seit 1990 ist Katalanisch als europäische Sprache offiziell vom Europäischen Parlament anerkannt. Für die staatliche Wirtschaft Spaniens ist Katalonien von jeher von großer Bedeutung, gilt die Comunidad doch als eines der bedeutendsten Wirtschaftszentren Kataloniens, das im Vorfeld der olympischen Spiele 1992 in Barcelona einen positiven Wandel erlebte. Trotz des enormen Prestigegewinns der katalanischen Sprache dominieren in der Privatwirtschaft Spanisch und zunehmend Englisch als Kommunikationsmittel.

Der Wunsch nach Anerkennung als Nation treibt die katalanische Politik an. Hinter der katalanischen Nation steht das Konzept einer Kulturnation, die sich über eine eigene Identität definiert. Die vorliegende Arbeit begibt sich auf eine Spurensuche der katalanischen Identität und versucht folgende Fragen zu beantworten: Was zeichnet die katalanische Identität aus beziehungsweise wer ist Katalane? Steht die katalanische Identität im Widerspruch zur spanischen Identität? Worauf beruht das katalanische Nationalbewusstsein? Gore und MacInnes gehen der Frage „Which is the main factor which makes your autonomous community a nation?“ nach mit dem Ergebnis, dass die katalanische Sprache und die Geschichte Kataloniens wichtige Faktoren bei der Herausbildung einer katalanischen Nation sind. Historisches Bewusstsein und Sprache sind identitätsstiftende Momente. Um die katalanische Identität und katalanisches Nationalbewusstsein verstehen zu können, bedarf es einen Blick in die Geschichte Kataloniens. Der Fokus liegt nicht auf der detailreichen Abhandlung historischer Ereignisse, sondern auf der Darstellung bedeutender identitätsstiftender Momente, die Eingang in das kulturelle und kollektive Gedächtnis Kataloniens gefunden haben. Nach Assmann „[konstituieren] soziale Gruppen ein kulturelles Gedächtnis […], aus dem sie ihre Identität ableiten.“ Eng verbunden mit der historischen Entwicklung Kataloniens ist die Entstehung des Katalanismus im 19. Jahrhundert, der politische Kultur und katalanisches Selbstverständnis und Selbstbewusstsein maßgeblich prägte. Katalanische Identität ist wie kaum eine andere national Identität in der Sprache verwurzelt. Im Nation-building-Prozess ist Sprache ein wichtiges Werkzeug.

Nicht der gesamte katalanische Kulturraum ist Bestandteil der Betrachtungen einer katalanischen Identität, sondern nur die Comunidad Autónoma Katalonien, die die Provinzen Lleida, Tarragona, Girona und Barcelona umfasst. Diese geografische Eingrenzung ist insofern von Bedeutung, da sich neuere (sprach)politische Entwicklungen in den verschiedenen Regionen des katalanischen Sprachraumes unterscheiden. Das Sprachgebiet umfasst neben der Comunidad Autónoma Katalonien, die Balearen, die Comunidad Autónoma València, das südfranzösische Roussillon, Andorra. Innerhalb dieses Sprachraums haben sich verschiedene eigene Identitäten herausgebildet, wie der
Versuch sprachlicher Abgrenzung des Valenciano vom Katalanischen zeigt. Die Sprachgrenze entspricht weder einer Staatsgrenze noch der Grenze Kataloniens und auch interne Grenzen bestehen. Das „Prinzip der Kongruenz von Sprache und Territorium [ist vielmehr] als Fiktion [zu verstehen]“.

Download als PDF: Catalunya is not Spain: Auf den Spuren einer katalanischen Identität

Interkulturelle Kommunikationskonflikte in polizeilichen Vernehmungen mit Migranten

Nach offiziellen Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge lebten 2009 fast 7 Millionen Ausländer in Deutschland. Setzt man dazu die polizeiliche Kriminalstatistik des Bundesministeriums des Inneren mit statistisch erfassten knapp über 6 Millionen Straftaten im selben Jahr ohne besondere Wertung und Gewichtung in Relation wird schon quantitativ deutlich, welche vielseitigen Herausforderungen eine kulturell diverse Gesellschaft an staatliche Institutionen wie die Polizei stellt.

Fernab von dem medial umfassend erörtertem Thema der Ausländerkriminalität spielen Migration und interkulturelle Kommunikation im Kontext polizeilicher Vernehmungen eine große Rolle. Polizisten im operativen Dienst begegnen der alltagsweltlichen Wirklichkeit. Sie sind es, die im direkten Kontakt mit Beschuldigten auf der Grundlage erlernter Vernehmungsstrategien den Tathergang rekonstruieren müssen. Im Verlauf einer Vernehmung eingesetzte Kommunikationsstrategien bauen auf einer kooperativen Grundhaltung des Beschuldigten auf. Verständigung und gegenseitiges Verstehen sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen Kommunikation. Gegenseitige Stereotypen und Erfahrungen verhindern eine unvoreingenommene Kommunikation. Im Kontext der Vernehmung von Migranten stellen Sprachbarrieren oftmals ein primäres Hindernis da, das es zu überwinden gilt. Jedoch schließen interkulturelle Kommunikationskonflikte in Vernehmung weit mehr als Sprachprobleme ein. Migranten der zweiten oder dritten Generation bedienen sich der deutschen Sprache in vielen Fällen sehr gewandt und beherrschen kulturspezifische kommunikative Fertigkeiten. Eine kooperative Zusammenarbeit und zielführende Kommunikation in einer Vernehmung können trotzdem ausbleiben. Offene und verdeckte interkulturelle Konflikte können hier als Ursache in Frage kommen.

Norbert Schröer, Gregor Sterzenbach und Ute Donk nähern sich in ihren Untersuchungen und Fallstudien verschiedenen Aspekten der interkulturellen Praxis zwischen Vernehmungsbeamten und Migranten an. So kommt Norbert Schröer in seiner Arbeit „Interkulturelles Patt. Kommunikationsprobleme zwischen deutschen und türkischen Migranten in Beschuldigtenvernehmungen“ zu dem Ergebnis, dass Sprachbarrieren bei der zweiten und dritten Generation nicht mehr das vordergründige Problem seien. Vielmehr erlaubt die Kenntnis von Sprache und Vernehmungsroutinen die kommunikative Anpassung des Beschuldigten an den Gesprächsverlauf. Verfahrenskundige Migranten sind so in der Lage eine Versachlichung des Gesprächs herbeizuführen. Die Ermittlungshaltung des Beamten trifft auf die Verteidigungshaltung des Beschuldigten. Eine für eine erfolgreiche Vernehmung essentielles Vertrauen und eine kooperative Einstellung entstehen nicht. Vor allem das bei Migranten sehr ausgeprägte Misstrauen gegenüber der deutschen Polizei hemmen eine Vernehmung. Aufgrund spezifischer Migrationserfahrungen und dem negativen Bild von der Polizei als Ordnungsmacht entwickelt sich kein Vertrauen. Migranten nehmen die Polizei „als behördlicher Repräsentant der gegen sie gerichteten gesamtgesellschaftlichen Ausgrenzungsbestrebung“ [Schröer (2003): S. 94] wahr. Misstrauen und Erwartungshaltung schützen den beschuldigten Migranten vor für Vernehmungen typischen Desorientieriungsstrategien. Mangelnde Loyalität und fehlendes Grundvertrauen führen somit zu einer effektiven Verteidigungsstrategie auf Seiten der Migranten und erklären das deutlich niedrigere Verurteilungsrisiko ausländischer Beschuldigter.

Gregor Sterzenbach bestätigt in seiner Arbeit „Aspekte der interkulturellen Praxis zwischen Polizei und Fremden“ das Misstrauen und die Fremdheit von Migranten gegenüber rechtsstaatlicher Institutionen. Die Arbeit mit Migranten im polizeilichen Umfeld ist geprägt von beiderseitigen Fremdheitserfahrungen. Die gegenseitige Wahrnehmung ist dabei nicht neutral. Vielfältige Vorurteile und Erwartungshaltungen führen zu Fehlhandlungen und Konflikten aufgrund von Missverständnissen. Kulturell bedingte Kommunikationsstrategien behindern den Verlauf des Gesprächs. Zusätzlich verschärfen die Angst vor Stigmatisierung und Strafverfolgungen, die beispielsweise in Form von Abschiebung eine existentielle Bedrohung für den Migranten darstellen können, den Kommunikationskonflikt. Der Aufbau von Vertrauen und einer kooperativen Grundhaltung wird unmöglich. Gegenseitiges Verstehen, nicht nur auf verbaler Ebene, und Verständnis der Rolle und Situation des anderen sind für eine erfolgreiche Vernehmung unabdingbar.

Nichts desto trotz verhindern in erster Linie Sprachbarrieren die Gesprächsführung. Nicht-Muttersprachler sind in der Vernehmung gegenüber dem Beamten unterlegen. Sie können ihre Interessen nicht überzeugend vertreten. Mangels sprachlicher Voraussetzungen kommt in solchen Fällen ein Dolmetscher zum Einsatz. Ute Donk befasst sich in ihrer Arbeit „Strukturelle Probleme in der Vernehmung nicht deutschsprachiger Beschuldigter“ mit dem Problem der Sprachkompetenz und Problemen, die beim Einsatz von Dolmetschern in Vernehmungen auftreten können. Dem professionellem Selbstverständnis folgend sieht sich der Dolmetscher als Sprachvermittler, der relativ wertfrei von der einen in die andere Sprache übersetzt. Dem gegenüber steht jedoch die Forderung vieler Polizeibeamter nach einer kooperativen Haltung des Dolmetschers und bestenfalls kriminalistischer Fähigkeiten. Eine direkte Verständigungsmöglichkeit und damit einhergehend die Unmöglichkeit einer fundierten Einschätzungen zwingen den Vernehmungsbeamten, dem Dolmetscher ein gewisses Maß an Vertrauen entgegen zu bringen. Zu Beginn einer jeden Vernehmung mit Dolmetscher müssen die Rollen der Gesprächsteilnehmer aus Sicht des Vernehmungsbeamten geklärt werden. Dabei ergeben sich laut Donk zwei entscheidende Probleme: Zum einen muss die tatsächliche Sprachfähigkeit des Beschuldigten überprüft und zum anderen der Dolmetschertyp ermittelt werden. Daraus ergibt sich die Integrationsmöglichkeit des Dolmetscher in der Vernehmung. Eine unvermittelte Übersetzung unterläuft dabei den Sprachtest, gibt aber gleichzeitig Aufschluss über Übersetzungsgewohnheiten, Kooperationswille und kriminalistische Fähigkeiten des Dolmetschers. Der Dolmetscher bewegt sich zwischen den zwei Polen der reinen Übersetzung und dem eigenständigen Handeln und Eingreifen in den Vernehmungsverlauf. Eine Sozialisierung mit dem Vernehmungsbeamten, aber auch eine Kooperation mit dem Beschuldigten sind so möglich.

Alle Untersuchungen im interkulturellen Kontext setzen eine umfassende kulturelle und sprachliche Kompetenz des Beobachters voraus. Der von Schröer favorisierte Einsatz von Co-Interpreten aus dem untersuchten Kulturraum minimiert Fehlinterpretationen, die zu falschen Schlüssen führen könnten.

Der Abbau von Kommunikationsbarrieren scheint eine der wichtigsten Aufgaben im Umgang von Polizei und Migranten zu sein. Vernehmungen folgen bestimmten Routinen, die im interkulturellen Kontext oft nicht Ziel führend sind und deren Einsatz ineffektiv wird. In ihrer Gesamtheit zeichnen die drei Texte von Schröer, Sterzenbach und Donk ein umfassendes Bild verschiedener Aspekte von Kultur, die den Verlauf einer Vernehmung beeinflussen können. Im Vordergrund steht dabei das Ziel einer erfolgreichen Vernehmung. Eine Vernehmung gilt dann als erfolgreich, wenn der Beschuldigte kooperativ agiert und eine Aussage tätigt. Auf den ersten Blick sind Sprachbarrieren tatsächlich das größte Hin-dernis, dass es in einer Vernehmung zu überwinden gilt.

Im Berufsalltag entwickeln Vernehmungsbeamte, die häufig Migranten als Tatverdächtigen begegnen, pragmatische Handlungsroutinen, die aus der Sprachlosigkeit führen und eine Vernehmung trotz aller Schwierigkeiten erlauben können. Eine Minimierung der strukturellen Probleme beim Einsatz von Dolmetschern ließe sich durch verschiedene Maßnahmen realisieren: Zum einen die Verpflichtung auf Seiten der Polizei die Vermittlung interkultureller Kompetenzen in die Polizeiausbildung zu integrieren. Womit auch eine Sensibilisierung der Polizeibeamten für tiefer liegende offene oder verdeckte interkulturelle Konflikte, wie sie Sterzenbach und Schröer thematisieren, verbunden wäre.

Zum anderen das Angebot kriminalistischer Weiterbildung für Dolmetscher sowie die langfristige Zusammenarbeit, um gegenseitig Vertrauen aufzubauen. In vielen Bundesländern wurde mittlerweile interkulturelle Kompetenz als eine Schlüsselqualifikation in der Ausbildung integriert und die Zusammenarbeit mit NGOs, die sich ethnischen Minderheiten in Deutschland widmen, ausgebaut.

Abgesehen von diesen durchaus als positiv zu beurteilenden Entwicklungen, erschweren Erwartungen an das Gegenüber und Stereotypen vom anderen auch weiterhin Vernehmungen. Sprachprobleme lassen sich langfristig schneller beseitigen, wohingegen tief verankerte kulturelle Werte und Kommunikationsmuster über Generationen weiter gegeben werden. Kulturell bedingte divergierende Kommunikationserwartungen führen zu Missverständnissen und Konflikten. Mitarbeiter staatlicher Institutionen sind dazu angehalten, im Umgang mit Migranten neue Kommunikationsstrategien zu entwickeln.

Schröer und Sterzenbach kommen zu dem Ergebnis, dass Ängste und Misstrauen gegenüber der Institution Polizei sowie Frustration auf beiden Seiten neben kulturell bedingten Unterschieden die wichtigsten Gründe dafür sind, dass Vernehmungen scheitern. Kulturelle Unterschiede kann und sollte man nicht beseitigen, jedoch dafür sensibilisieren. Aber an der Wahrnehmung der Polizei sowie der Tatsache, dass auch in Deutschland sozialisierte Migranten in vielen Fällen als Ausländer wahrgenommen und dementsprechend behandelt werden, ließe sich sicherlich etwas ändern.

Die Kenntnis bestimmter Verhaltensmuster und Kommunikationsstrategien verschiedener ethnischer Gruppen ist jedoch nicht alleiniger Garant für erfolgreiche Vernehmungen. Migranten teilen nicht zwangsläufig die gleichen Migrationserfahrungen, vielmehr prägen sie persönliche Erfahrungen. Wer aus seiner Heimat vertrieben wurde oder als politisch verfolgt gilt, hat andere Ängste als ein Arbeitsmigrant oder jemand, der in 3. Generation in Deutschland lebt und hier sozialisiert wurde.

Alle drei Autoren lassen einen Aspekt außer Acht, der am Anfang einer Vernehmung steht und den Einstieg ins Gespräch von Beginn an negativ überlagern kann. Generell geraten Ausländer schneller unter Tatverdacht als Deutsche. Auch werden sie Rechtswidrigkeiten von Ausländern deutlich häufiger zur Anzeige gebracht als gleiche Vergehen von Deutschen. Im öffentlichen Diskurs werden Migranten oft als krimineller eingestuft. Solche und andere allgemein gesellschaftlicher Diskurse können zweifellos die Grundeinstellung eines Vernehmungsbeamten gegenüber einem Beschuldigten und damit den Gesprächsverlauf und ein mögliches Drängen zur Unterzeichnung eines Geständnisses beeinflussen.

Das Anliegen über die Probleme, die im Zusammenhang mit der Vernehmung von Migranten aufkommen, näher zu untersuchen ist sinnvoll. Untersuchungen wie sie Schröer, Sterzenbach und Donk durchgeführt haben geben in ihrer Gesamtheit einen vielseitigen Einblick darüber, welche Herausforderungen kulturelle Diversität an staatliche Institutionen, hier die Polizei stellen. Anhand solcher und ähnlicher Studien müssen für die praktische Polizeiarbeit Lösungen abgeleitet werden, die interkulturelle Missverständnisse minimieren und erfolgreiche Vernehmungen fördern. Der Polizeibeamte muss als Ansprechpartner für jedermann, auch für Migranten werden. Ein erfolgversprechender Lösungsansatz ist eine offensive Öffnung der Polizeiausbildung für junge Menschen mit Migrationshintergrund, die als sich als hybrides Wesen in beiden Sprachen und Kulturen zu Hause fühlen. Eine Abbildung der Bevölkerungsstruktur in den Reihen der Polizei, wäre demzufolge einer der effektivsten Wege Kommunikationsproblemen zwischen Vernehmungsbeamten und Migranten zu begegnen. Der Einsatz eines Dolmetschers würde sich erübrigen.

Literatur

  • Ausländerbeauftragte des Landes Brandenburg (2004): Interkulturelle Kompetenz in der Polizeiausbildung
  • Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2010): Ausländerzahlen 2009
  • Bundesministerium des Inneren (2009): Kriminalstatistik 2009
  • Bundeszentrale für politische Bildung (2001): Ausländerkriminalität. In: Informationen zur politischen Bildung
  • Donk, Ute (1996): „Aber das sind Sachen, die gehen absolut an mit vorbei!“. Strukturelle Probleme in Vernehmung nicht deutschsprachiger Beschuldigter
  • Schröer, Norbert (2003): Interkulturelles Patt. Kommunikationsprobleme zwischen Vernehmungsbeamten und türkischen Migranten in polizeilichen Beschuldigtenvernehmungen
  • Sterzenbach, Gregor (2004): Aspekte der interkulturellen Praxis zwischen Polizei und Fremden – Einblicke in ein Forschungsprojekt

Global agierende Unternehmen: Braucht die Werbebranche mehr Kulturexperten?

Internationale Konzerne und weltweiter Handel prägen die Wirtschaftsbeziehungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Auf Reisen an die entlegensten Ecken der Welt begegnet der Tourist im Privaten wie auch im Berufsalltag Menschen aus anderen Kulturen. Interkulturelle Kommunikation ist folglich allgegenwärtig. Nicht selten endet die Kommunikation jedoch in Missverständnissen. Die Internationalisierung der Märkte schreitet voran. Die Produkte gleichen sich technisch an und werden ästhetisch und kulturell differenzierter. Automobilkonzerne wie Volkswagen agieren international. In mehr als 20 Ländern weltweit werden Fahrzeuge gebaut, die anschließend in mehr als 150 Ländern verkauft werden. Das Produkt bleibt das gleiche, doch die Werbung hebt sich von einander ab. Ein Werbespot, der für ein und dasselbe Modell wirbt, kann in Deutschland vollkommen anders aussehen als in Frankreich. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten befassen sich mit der vergleichenden Untersuchung von Printwerbung in Deutschland und Frankreich. Die Zahl der Veröffentlichungen im Bereich Werbespot ist hingegen gering. Als einer der Wenigen führte der Romanist Rolf Kloepfer in den 1980er Jahren eine umfassende Analyse europäischer Werbespots durch. Die folgenden 20 Jahre Werbespotgeschichte sind bisher im Rahmen der interkulturellen Werbung nicht ausreichend untersucht.

Dabei werden in beiden Ländern rund 30 % des Werbeetats in TV- und Kinowerbespots investiert und beinahe täglich gehen neue Werbespots auf Sendung. In den Daten ist Internetwerbung, die einen enormen Zuwachs verzeichnet, noch nicht erfasst. Wer heutzutage ein Video im Internet
anschauen möchte, sieht immer häufiger auch dort einen Werbespot.

Unter der Vielzahl an Werbespots nehmen die der Automobilhersteller einen
bedeutenden Platz ein, da die Automobilbranche sehr hohe Werbebudgets veranschlagt. Laut einer Untersuchung der Hamburger Nielsen Media Research GmbH finden sich unter den 30 werbestärksten Unternehmen Deutschlands 2008 gleich sieben Automobilkonzerne: Volkswagen (Platz 9), Opel (Platz 15), Daimler (Platz 16), Renault (Platz 18), Audi (Platz 19), Toyota (Platz 23) und Ford (Platz 24) deren Ausgaben sich auf eine Summe von ungefähr eine Milliarde Euro belaufen. Aufgrund der großen Auswahl ist es interessant, Unterschiede innerhalb der deutschen und französischen Automobilwerbung aufzudecken. Ziel ist es, anhand einer detaillierten Untersuchung von sechs Werbespots, für diese festzustellen, welchen Einfluss die französische beziehungsweise deutsche Kultur auf deren Umsetzung haben. Es stellt sich die Frage, ob es neben Designern und Marketingexperten nicht auch Kulturexperten bedarf, damit Werbung im internationalen Kontext erfolgreich kommuniziert werden kann.

Der vollständige Text „Werbespots in Deutschland und Frankreich am Beispiel der Automobilbranche Eine kulturwissenschaftliche Analyse“ (Bachelorarbeit) als PDF zum Download.