republica 2017 – Was bleibt hängen?

Wenn wir über Digitalisierung der Gesellschaft sprechen, dann meist über einen Wandel in der Arbeitswelt. Einen Wandel, der nicht erst jetzt beginnt, sondern schon längst begonnen hat und uns als Mensch in allen Lebensbereichen herausfordert. Wohlstand und wirtschaftliche Macht sind in nur wenigen Händen – oder im Zeitalter der Informationsgesellschaft wohl eher in nur wenigen Köpfen konzentriert. Ein gleichberechtigter Zugang zu digitaler Infrastruktur und vor allem zu Wissen und Bildung ist notwendig. Ein Ziel, das die Open Knowledge Foundation und einer ihrer Begründer Rufus Pollock immer wieder unterstreichen. Digitalisierung fordert uns auf, Bildung neu zu denken und über Werte und Prinzipien in diesem Kontext zu diskutieren.

Was für mich bleibt ist das Nachdenken über Neurokapitalismus: Wir können Hirnaktivitäten messen, verbessern und sogar verändern. Was bedeutet das für unsere gedankliche Selbstbestimmung? Was bedeutet Freiheit und Identität angesichts dessen für mich als Individuum? Und wie spaltet es möglicherweise die Gesellschaft, wenn soziale Ungleichheit schon heute den Zugang zur digitalen Welt bedingt und zukünftig ‚Brainhacking‘ mehr eingesetzt wird? Als Einstieg ins Thema ist der Vortrag von Miriam Meckel „Mein Kopf gehört nicht mehr mir – Brainhacking und Selbstoptimierung“ zu empfehlen.

Das Nachdenken über eine Start Up Illusion und überhaupt über Arbeitsbedingungen in der digitalen Branche. Nachdenken über die Konsequenzen von Digitalisierung in der Arbeit: Wir brauchen andere Fertigkeiten. Jeder in zunehmendem Maße in fast jeder Branche. Als Einblick in aktuelle Gedanken ist die Diskussion mit Frau Nahles „Bedingungsloses Grundeinkommen – (K)eine Antwort auf den digitalen Wandel“ auf jeden Fall sehenswert.

Ernüchterung über digitale Bildung, denn noch immer hängen wir in Diskussionen über Infrastruktur fest. Medienkompetenz im Steinzeitalter. Wenn Schulen ihre Zukunftspläne präsentieren und es dabei primär noch immer darum geht, ob Tablets eingesetzt werden können oder Schulen Wlan haben, dann wird klar, wie langsam sich Wandel in Institutionen  vollzieht. Bildung neu denken! Inhalte an den Lernenden und nicht den Lehrenden anpassen und den Lehrer als Coach verstehen, dass entspricht den Anforderungen, die die Digitalisierung an uns als Menschen stellt. Ansätze aus dem Storytelling und Gamification-Elemente können den Weg bereiten und werden von Lehrern durchaus genutzt und gewünscht. Denn es gibt Lehrer, die wissen, was in der Welt passiert. Das Projekt Bildung darf nicht an Infrastruktur-Fragen scheitern. Achja, Herr Dobrindt glänzte auf der republica durch Abwesenheit…. Daneben darf in dem Kontext die soziale Frage nicht vergessen werden. Nicht jeder hat die neueste Technik! Zu empfehlen sind zu dem Thema die Vorträge aus dem Track re:learn. (Leider noch keine Videos online)

Eine beeindruckende virtuelle Reise durch den Kölner Dom. Meine persönliche erste Erfahrung mit einer VR-Brille. Wer es noch nicht ausprobiert hat, machen! Und ein wunderbarer Vortrag aus der Praxis zum 360° Storytelling.

Gunter Duecks Vortrag ‚Flachsinn – über gute und schlechte Aufmerksamkeit‚ ist wie jedes Jahr kurzweilig, sehenswert und auf  den Punkt. Gute Unterhaltung eben.